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Sebastian Guhr

 

Stahlstück

15 Erzählungen


Sie kaufte sich eine Bohrmaschine und zwölf Bohrer in den verschiedensten Größen, ließ sich die Bedienung erklären und drückte, nachdem sie einen der Bohrer nur leicht im Futter festgeschraubt hatte, den Abzug. Sie erhöhte, vom metallisch monströsen Klang fasziniert, die Drehzahl, schon steckte der Bolzen in der Wand.

Nachdem sie die Partitur abgeschlossen hatte, taumelte sie euphorisch zum Bett hinüber, ließ sich fallen und schloss die Augen. Vor sich, im rieselnden Funkenregen, sah sie den Titel des Stücks, darunter ihr Name und die Anmerkung

Für Bohrmaschine, Maultrommel und menschliches Geschrei.


ISBN 978-3981245745
Seiten 186
Neupreis 12,95 € (Paperback)

1. Auflage
 

 

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Presse/Kritiken und sonstige Links

 

  • [...] „Stahlstück“, eine Sammlung von 15 Erzählungen, ist seine erste Publikation. Das Paperback ist im Chaotic Revelry Verlag erschienen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge, ambitionierte Autoren zu fördern, die nicht dem Mainstream folgen. Man kann „Stahlstück“ der experimentellen Literatur (Inhalt, Stil) mit einem Hauch Surrealismus zuordnen.
    Bei den Kurzgeschichten handelt es sich um mitunter verstörende Milieu-Studien, deren Aussagen sich nicht immer beim ersten Durchlesen auf Anhieb erschließen. Im Mittelpunkt jeder Erzählung steht der vereinsamte, isolierte Mensch, der sich und sein Umfeld nicht versteht und von diesem seinerseits nicht verstanden wird. Er befindet sich auf der Suche nach seiner Identität, nach seinem Platz im Leben, er möchte die eigenen und die Erwartungen anderer erfüllen - und scheitert. Die Folgen sind Resignation oder die stoische Fortsetzung der Suche, selbst wenn ihm klar ist, dass er das Ziel nicht erreichen wird.

    So hofft der Protagonist in „Echnaton der Zweite“, ein Heim, eine Aufgabe und Erleuchtung, bei einer Sekte zu finden. Obwohl so manches am Meister merkwürdig scheint, gibt es immer eine Erklärung für sein Verhalten – nur nicht, als er seine pädophile Neigung an einem jungen Zweifler auslebt. Ein Unfall führt zur Tragödie, und der Protagonist setzt seine Suche nach einem neuen zu Hause fort.
    Die Titelstory „Stahlstück“ erzählt von einer Komponistin, die sich von ihrem aktuellen Auftrag unter Druck gesetzt fühlt, Inspiration sucht und diese auf ungewöhnliche Weise findet, dadurch aber begreift, dass sie nicht die Erwartungen ihres Auftragsgebers und gleichzeitig ihre eigenen erfüllen kann. Sie steht vor der Entscheidung, sich selber aufzugeben oder auf den Verdienst zu verzichten.
    „Die Geschichte vom Meer, vom Himmel und einer kleinen Unendlichkeit“ beginnt märchenhaft, verliert sich dann jedoch ins Surreale. Die Handlung dreht sich praktisch im Kreis, die Geschehnisse wiederholen sich, und auch wenn jemand ausbricht, ändert er nichts. Es ist eine Metapher wie der Kampf des „Don Quijote“ gegen die Windmühlen: Das System ist so starr, dass der Einzelne, egal ob er sich unterwirft oder auflehnt, am Schluss verliert.
    In „Massaker am Morgen“ beschreibt ein geistig zurück gebliebener Junge seine Erlebnisse und Beobachtungen auf dem Bauernhof seiner Großmutter. Aufmerksam nimmt er alles auf, was um ihn herum passiert, doch nicht immer begreift er, was geschieht, was mit ihm geschieht, welche Folgen seine Taten haben. Er interpretiert die Ereignisse aus seiner eigenen Sicht oder lässt sie ganz ohne Erklärung stehen und vermag auch nicht, sich mitzuteilen. Ähnlich wie das Kind ist jeder Mensch in seiner eigenen Welt verwurzelt und hat Probleme, andere zu verstehen und sich und seine Ängste verständlich zu artikulieren.

    Das sind nur vier Beispiele für die in „Stahlstück“ veröffentlichten Geschichten. Der Autor entführt in eine triste, gar nicht heile Welt der Verwirrung, Depression, Selbstzweifel und Ängste, die so eintönig und grau ist wie Stahlstücke und das bewusst ausgewählte Cover von Daniela Daniels.
    Die Erzählungen unterhalten den Leser nicht, wollen es auch gar nicht, sondern versuchen stattdessen, ihn nachdenklich zu stimmen, ihn dazu zu bewegen, sich mit sich selbst und seinem Umfeld auseinanderzusetzen und die eigene Situation zu erkennen. Dann kann er sich vielleicht arrangieren und seine Kräfte schonen, statt sich in einem unsinnigen Kampf gegen das starre Gesellschaftssystem zu verschleißen.
    „Stahlstück“ wendet sich an die Freunde der experimentellen Literatur, die die Auflösung nicht auf dem Silbertablett präsentiert bekommen wollen, sondern sich lieber eigene Gedanken über eigentümliche Erzählungen machen. (IS)

Literaturzeitschrift Rattus Libri, Ausgabe 99, Dezember 2010

 

  • 15 Erzählungen vom Berliner Autor Sebastian Guhr führen den Leser in eine Welt voll von Aspik , Bohrmaschinengeräuschen  und depressiven Königen. Jede der 15 Geschichten hat so etwas individuell Magisches an sich, dass man nur schwerlich zurück in die Realität findet, sollte man es wagen, das Buch zwischendurch einmal niederzulegen.

    Sebastian Guhr kann erzählen; und das fast 200 Seiten lang mit einer stimmigen und wunderbaren Sprache.

    Stahlstück ist eine sensationelle Debüt-Veröffentlichung: Eine Erzählsammlung, die für Verwirrung sorgt und gleichzeitig diejenigen besänftigt, die sich sonst allzu sehr von der hiesigen Welt entfernt haben und lieber Teil eines Stahlstücks sind.

    Sindri aus readme.cc vom 20.07.2010

 

  • Fundstück: Stahlstück

    „Echnaton der Zweite”, „Tabori in Aspik”, „Heiligabend auf der Oberbaumbrücke” und „Moderne Zeiten oder Mimose im Juxhaus” heißen einige der 15 Erzählungen von Sebastian Guhr. Zwischen Realität und Mystik bewegen sich die Protagonisten der Geschichten, Menschen, die auf teils verrückte Weise einen Platz im Leben suchen. Ein bemerkenswertes Debüt des 1979 in (Ost-)Berlin geborenen Erzählers.

    www.tangentus.de vom 7.10.2010

 

  • "Sebastian Guhr hat in Stahlstück manch ernste Themen so umgesetzt, dass man darüber schmunzeln muss.", Beatrix Alfs/ www.gedankenspinner.de vom 12.06.2011

 

 

 

Chaotic Revelry Verlag
info@cr-verlag.de