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- "Einem normalen, gesunden Menschen scheint es, als verstehe er alles, was er hört und sieht, ich aber habe dieses *scheint* verloren und vergifte mich von Tag zu Tag mit Angst." So heißt es in Anton Tschechows Erzählung mit dem lapidaren Titel "Angst" von 1892.
Heute, über 100 Jahre später, ist das Thema "Angst" in unserer komplexen undurchdringlichen postmodernen Medienwelt allgegenwärtig geworden, sei es in Form von Ängsten vor Terroranschlägen oder Pandemien, sei es in Form von Phobien und phobischen Störungen.
Im Gegensatz zu anderen Grundemotionen wie Liebe oder Hass ist das tückische an Angst, dass sie passiv machen, lähmen und isolieren kann.
Der Chaotic Revelry Verlag hat deshalb zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen, der unter dem Thema Angst den Einsendern die Möglichkeit bot, sich mit den eigenen Ängsten oder denen anderer künstlerisch auseinanderzusetzen.
Die Reaktion war überwältigend: Mehrere hundert Einsendungen gingen beim Verlag ein - dass es sich dabei zu 90 Prozent um Beiträge von Frauen handelte, scheint zu zeigen: In unserer Gesellschaft wird nicht jedem zugestanden, Angst zu haben und darüber zu sprechen oder zu schreiben.
Die neue Anthologie des Chaotic Revelry Verlages hält uns einen Spiegel vor: Als Konfrontationstherapie mit jenen Ängsten, die in uns allen schlummern.
Auch der Chaotic Revelry Verlag leistet mit der vorliegenden Anthologie einen wichtigen Beitrag, damit Leidende ihre Ängste erkennen und den Mut finden, darüber zu sprechen und sich behandeln zu lassen, bzw. damit das Umfeld mit mehr Verständnis reagiert und den Betroffenen die notwendigen Hilfen zukommen lässt. (IS)
(Rattus libri 91)